Fokusthema August 2026Stakeholder einbinden und Perspektiven zusammenbringen - Steinbeis Europa Zentrum gestaltet Co-Creation zum Beispiel im EU-Projekt SUPREMAS
Autoren: Luise Sanders und Lukas Weindl, Steinbeis Europa Zentrum
Wie lassen sich innovative Energielösungen so entwickeln, dass sie nicht nur technisch funktionieren, sondern auch zu den regionalen Bedarfen und Rahmenbedingungen passen? Genau hier setzt das Steinbeis Europa Zentrum mit Stakeholder-Engagement im EU-Projekt SUPREMAS an.
Stakeholder Engagement führt zu mehr Akzeptanz und Resilienz
Stakeholder-Engagement berücksichtigt die aktive Einbindung von Interessengruppen in Entscheidungsprozesse. Dabei können die Stakeholder sehr vielfältig sein, zum Beispiel Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Umweltverbände, Investoren oder die Zivilgesellschaft. Erwartungen und Bedarfe werden gehört und in unternehmerische Strategien integriert, mit dem Ziel die Akzeptanz von Maßnahmen zu stärken und langfristig die Resilienz zu verbessern.
Das Stakeholder-Engagement ist ein wichtiger Prozess für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen. Es beschreibt, wie Unternehmen oder Organisationen mit Personen oder Gruppen interagieren, die von ihren Entscheidungen und Aktivitäten betroffen sind.
Die EU sieht die Einbindung von Stakeholdern als wesentlich, um Forschung und Innovation an tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten, die Akzeptanz von Lösungen zu erhöhen und die Verwertung von Ergebnissen zu beschleunigen. Die EU legt dabei immer mehr Wert auf Responsible Research and Innovation (RRI), die Einbindung der Sozial- und Humanwissenschaften und von Methoden der Co-Creation.
Stakeholder Engagement im Projekt SUPREMAS
Mit SUPREMAS fördert die EU die Entwicklung von kosteneffizienten modularen und mobilen Anlagen zur Herstellung von Synthesegas, die sich besonders für die Verarbeitung von Klärschlamm und organischen Abfällen eignen. Die Bio-Synthesegasanlagen werden an Demonstrationsstandorten in Spanien und Portugal getestet und Machbarkeitsstudien für 10 weitere Replikationsstandorte in ganz Europa durchgeführt. Die im Projekt entwickelten modularen Anlagen sollen mobil und dezentral eingesetzt werden und durch das Etablieren von sogenannten Renewable Energy Communities (ähnlich dem deutschen Konzept der Energiegenossenschaften) die Dezentralisierung und Unabhängigkeit des Energiesystems voranbringen. Das Konsortium besteht aus 12 Organisationen, darunter akademische Partner, Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen und Verbände.
Effektives Stakeholder-Engagement erfordert eine klare Strategie, die das Steinbeis Europa Zentrum im Rahmen des Projekt SUPREMAS entwickelt hat. Es organisiert und begleitet im Projekt die Stakeholder-Engagement-Aktivitäten von der methodischen Konzeption bis zur praktischen Umsetzung. Die Arbeit des Steinbeis Europa Zentrums geht dabei deutlich über die Organisation einzelner Veranstaltungen hinaus. Bereits im frühen Projektverlauf wurden Veranstaltungsformate entwickelt, Workshops zum Stakeholder Mapping durchgeführt, um relevante Zielgruppen systematisch zu identifizieren, zu priorisieren und geeignete Beteiligungsformate festzulegen. Später kamen weitere interne Formate hinzu, etwa die Entwicklung von Stakeholder-Befragungen und Interviews. Dabei wurde stets Wert auf eine offene respektvolle Kommunikation gelegt.
„Für uns ist Stakeholder Engagement dann besonders wertvoll, wenn es nicht nur um Information, sondern um echten Austausch geht. Wir wollen Perspektiven zusammenbringen, die im Projektkontext oft getrennt voneinander betrachtet werden – etwa aus Forschung, kommunaler Praxis, Wirtschaft und regionaler Entwicklung.“
— Luise Sanders, Steinbeis Europa Zentrum
Im Projekt SUPREMAS sind insgesamt sechs Co-Creation-Workshops vorgesehen: zwei Workshops wurden bereits an Demonstrationsstandorten in Portugal und Spanien umgesetzt, vier weitere folgen an möglichen Replikationsstandorten in ganz Europa. Während die ersten Workshops vor allem Impulse für die Entwicklung der SUPREMAS-Technologien und des im Projekt entwickelten Decision Support Systems liefern sollten, stehen an den Replikationsstandorten Fragen zur Übertragbarkeit, zu regionalen Hürden und zu potenziellen Anwendungsfeldern im Mittelpunkt.
Wirtschaft, Verwaltung und Praxis zusammenbringen
Beim Stakeholder-Workshop am 16. Juni 2026 in Lüneburg kamen regionale Akteur:innen aus Wirtschaft, Verwaltung und Praxis zusammen, um über Potenziale und Barrieren bei der Verwertung organischer Reststoffe zu diskutieren. Im Fokus standen fachliche Impulse, ein interaktives Workshop-Format sowie eine Besichtigung des Lüneburger Abwasserdienstleisters AGL.
Technische und gesellschaftliche Perspektiven zusammen denken
Für die gemeinsame Diskussion wurden gezielt Fragen vorbereitet, die sowohl technische als auch gesellschaftliche Perspektiven einbeziehen. Thematisiert wurden unter anderem die Nutzung regional verfügbarer Rohstoffe, Transport- und Infrastrukturfragen, mögliche Abnehmer von Strom, Wärme oder Synthesegas, gesellschaftliche Wahrnehmungen sowie regulatorische Voraussetzungen für die Umsetzung entsprechender Anlagen.
„Gerade an Replikationsstandorten ist es wichtig, früh zu verstehen, welche Rahmenbedingungen vor Ort tatsächlich relevant sind. Technologische Potenziale allein reichen nicht aus – entscheidend ist, wie Lösungen regional anschlussfähig werden.“
— Lukas Weindl, Steinbeis Europa Zentrum

Zum Workshop kamen Vertreter:innen von Recycling-Unternehmen aus der Region, der Landwirtschaft, der Wirtschaftsförderung Lüneburg, Landkreis und Stadtverwaltung Lüneburg, aus Forschung und Entwicklung sowie weitere regionale Akteur:innen zusammen. Diese Vielfalt war ein wichtiger Bestandteil des Formats, denn gerade im Austausch zwischen unterschiedlichen Perspektiven entsteht das Wissen, das für die spätere Anwendbarkeit und Akzeptanz der Innovationen entscheidend ist.
„Unser Ziel ist es, nicht nur Rückmeldungen einzuholen, sondern Strukturen für Mitgestaltung zu schaffen. Wenn Stakeholder ihre Perspektiven früh einbringen können, verbessert das nicht nur die Qualität der Ergebnisse, sondern auch die spätere Anschlussfähigkeit der Projektarbeit und damit den Impact des gesamten Projekts.“
— Luise Sanders, Steinbeis Europa Zentrum
Mit Formaten wie dem Workshop in Lüneburg zeigt das Steinbeis Europa Zentrum, wie europäische Innovationsprojekte durch Beteiligung, Austausch und regionale Einbindung an Wirkung gewinnen können. Stakeholder Engagement wird als fester Bestandteil der Projektentwicklung verstanden, die technologische Innovation mit realen Bedarfen, Akzeptanzfragen und Umsetzungsbedingungen zusammendenkt.
Weiterführende Informationen zum Projekt SUPREMAS sowie zu den entwickelten Ansätzen und Aktivitäten sind auf der Projektwebseite verfügbar. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich über den SUPREMAS Stakeholder Pool für regelmäßige Updates zu registrieren und Einblicke in die Projektentwicklung zu erhalten.
Mehr erfahren:
https://www.supremas.eu/stakeholder-involvement/
Demosite Spanien: Spain - Syngas modular Units Providing Renewable Energy from Multiple wAstes and for different useS
Demosite Portugal: Portugal - Syngas modular Units Providing Renewable Energy from Multiple wAstes and for different useS
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