Mittelstand als Innovationstreiber in EU-Forschungs- und Innovationsprojekten

15. April 2026

Baden-württembergische Unternehmen bleiben lieber im Ländle unter sich oder kooperieren national. Sie wagen sich zu selten auf das europäische und internationale Parkett. Das ist immer wieder zu hören, wenn man mit Vertreter:innen der Politik und Wirtschaftsförderung spricht.

Das Steinbeis Europa Zentrum arbeitet seit über 35 Jahren daran, dies zu ändern und kann erhebliche Erfolge vorzeigen. In über 90 laufenden EU-Projekten bringt es internationale Innovationsakteure zusammen. Leider finden sich darunter noch immer zu wenige Baden-Württemberger:innen.

Um auch in den kommenden Jahren wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigt die Europäische Union innovative Pionierunternehmen – auch aus Baden-Württemberg. Dies unterstützt die EU durch zahlreiche Förderinstrumente, das bedeutendste Programm ist Horizon Europe.

Den Bedarf von Unternehmen erkennen

Zu uns kommen Unternehmen sehr oft mit Fragestellungen zu Kostenreduktion, Qualitätsverbesserung, Entwicklung von neuen Funktionalitäten bei Produkten und Dienstleistungen sowie Innovationspartnerschaften mit ausländischen Organisationen. Die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen und Open Innovation sind mit Risiken verbunden. Wir helfen diese Risiken zu minimieren. Dazu brauchen unsere Kunden Wissen, Ressourcen und Finanzierung. Ob Start-up, KMU oder Großunternehmen; wir unterstützen alle Unternehmen und finden passende Förderprogramme und Partner.

Finanzierung

Daher helfen wir, geeignete Fördermöglichkeiten zu identifizieren, Anträge erfolgreich zu stellen und Innovationsprojekte nachhaltig zu finanzieren. Wir informieren umfassend über aktuelle Ausschreibungen, Förderkriterien und administrative Anforderungen. Unsere Beratung erstreckt sich vom Programmscreening, Antragstellung über die Projektkoordination bis hin zur Verwertung und Kommunikation von Projektergebnissen.

Internationale Kooperationen

Ein weiteres zentrales Anliegen sind strategische Partnerschaften. Unsere Kunden wollen Netzwerke aufbauen und Kooperationen mit ausländischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Institutionen eingehen. Wir begleiten sie bei der Anbahnung und Umsetzung internationaler Partnerschaften, insbesondere im Bereich Innovation, Forschung und Technologietransfer. Als Partner im Enterprise Europe Network bieten wir Zugang zum weltweit größten Netzwerk für Technologietransfer und fördern transnationale Kooperationen. Insbesondere die branchenspezifischen Kooperationsbörsen bieten eine gute Plattform um neue Kontakte zu knüpfen.

Der Mittelstand ist wichtigster Innovationstreiber in einem EU-Innovationsprojekt

Mittelständische Unternehmen setzen als Partner in einem Innovationsprojektkonsortium oft wichtige Impulse, indem sie agile Arbeitsweisen, praxisnahe Lösungen und ein hohes Maß an Flexibilität einbringen. Ihre direkte Nähe zum Markt und zu den Kunden ermöglicht es ihnen, innovative Ideen schnell zu testen und in Anwendungen, Produkte und Märkte zu überführen. Dadurch tragen sie maßgeblich zur Entwicklung neuer Technologien und Lösungen bei, indem sie praktische Herausforderungen identifizieren und gezielt adressieren.

Diese Kompetenzen können wir bereits in der Antragstellung adressieren und so dafür sorgen, dass im Antrag der sogenannte Impact für den internationalen Markt berücksichtigt wird. Die Teilnahme von innovativen Unternehmen trägt dazu bei, dass europäische Wertschöpfungsnetzwerke breiter, diverser und resilienter sind. KMU übernehmen spezialisierte Funktionen, zum Beispiel Softwarekomponenten, High-Tech-Nischen, Beratungs- oder Produktionsdienstleistungen, die für komplexe Innovationsprozesse entscheidend sind.

Herausforderungen- Chancen – gute Beispiele

Auf der anderen Seite stehen gerade KMU vor Herausforderungen wie begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen und komplexen regulatorischen Anforderungen. Insbesondere die Koordination eines EU-Projekts mit mehr als 20 Partnern und die Sicherstellung der eigenen Sichtbarkeit innerhalb des Konsortiums können anspruchsvoll sein.

Am Steinbeis Europa Zentrum haben wir erlebt, dass es durchaus Unternehmen gibt, die sich an die Koordination eine EU-Projekts wagen.

Mittelstand in EU-Projekten- Beispiele

Die Novis BioBased Technology GmbH aus Tübingen ist Partner im EU-projekt CAPTUS, das sich der Erzeugung erneuerbarer, flüssiger Energieträger aus Kohlenstoffdioxidemissionen widmet. Darüber hinaus haben wir Novis als Partner in das EU-Projekt FABULOSE gebracht. Das Projekt arbeite an neuen nachhaltigen biobasierten Produktionsrouten für tierfreie Lederalternativen. Novis arbeitet an der Optimierung und Skalierung der bakteriellen Zelluloseproduktion aus Abfallströmen wie Rapsölrückständen, Traubentrester und Papierabfällen. Das KMU bringt seine Expertisen aus der Biopolymerverarbeitung und Materialflussrecycling ein.

KMU ist Partner im großen Textilforschungsprojekt FABULOSE - Steinbeis DE

Die Harms & Wende GmbH & Co KG übernahm im EU-Projekt RECLAIM die Rolle des Koordinators. Das innovative mittelständische Unternehmen mit Sitz in Hamburg und Niederlassung in Karlsruhe ist langjähriger Kooperationspartner und Kunde des Steinbeis Europa Zentrums. Gemeinsam können wir auf eine ganze Reihe erfolgreicher Projekte zurückblicken, die alle von Harms & Wende koordiniert wurden. Der Mittelständler betreibt Forschung und Entwicklung im Bereich Schweißanlagen und liefert kundenspezifische Lösungen.

MANN+HUMMEL koordinierte das EU-Projekt Aerosolfd, das im August 2025 erfolgreich zu Ende ging. Zusammen mit weiteren europäischen Partnern brachte M+H drei Lösungen zur Marktreife: einen Nachrüstfilter für Benzinmotoren, Bremsstaubpartikelfilter im urbanen Raum und Luftreiniger für U-Bahn-Stationen.

Start -ups

EU-Projekte sind oft das Sprungbrett für KMU auf internationale Forschungs- und Absatzmärkte. Das stärkt die Auslandspräsenz europäischer Unternehmen und verbessert langfristig die Wettbewerbsposition Europas. So kann es während der Laufzeit eines EU-Projekts zu Gründungen von Start-ups kommen. Beispielsweise hat sich die Spartha GmbH im Jahr 2019 im Rahmen des Projekts IMMODGEL und die Hypromag GmbH im Laufe mehrerer EU-Projekte zu Seltenerdmagneten gegründet. EIFHYTEC profitierte enorm als Projektpartner in der COSMHYC Reihe zum Thema Wasserstoffkompression.

Melina Bucher wirkt neben Novis im Textilprojekt FABULOSE mit. Das Start-up aus Mannheim produziert Handtaschen aus 100% biobasiertem, plastikfreiem, veganem, lederähnlichem Material.

Projektbeispiel: Optimierung industrieller Prozesse und des Energiemanagements

Im EU-Projekt Flex4Fact (2022–2025) wirkten 23 Partner mit, darunter fünf europäische Unternehmen, die als Implementierungspartner einer Technologie wirkten und Spezialwissen in Bereichen wie IoT, Automatisierung, erneuerbare Technologien und Clustermanagement einbrachten. Das Projekt setzte entscheidende Meilensteine für die Flexibilisierung industrieller Energieprozesse. Zu den Highlights zählt die Entwicklung einer modularen System Reference Architecture, die physische Anlagen, Datenebenen, digitale Zwillinge und Managementschichten integriert. Darauf aufbauend entstanden digitale Zwillinge für fünf industrielle Use Cases. Insgesamt erzielten die Piloten eine 17 % Reduktion des Energieverbrauchs und einen 64 % höheren Anteil erneuerbarer Energien. Mit TRL‑7 erreichten die Lösungen Marktreife und bewiesen Skalierbarkeit.

Insbesondere die Unternehmen brachten praxisnahe Technologieentwicklung in ein großes Forschungsprojekt ein. Durch ihre Tools und Module können Unternehmen ihre Energiekosten senken und erneuerbare Energien schneller integrieren. Sie unterstützten KMU-Marktzugänge für neue digitale Produkt- und Dienstleistungslösungen im europäischen Kontext. Sie spielten so eine entscheidende Rolle bei der Beschleunigung der digitalen und energetischen Transformation der europäischen Industrie.

Eine effizientere flexible Stromnutzung für die Industrie - Steinbeis DE

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Anette Mack
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