Fokusthema Juli 2026Lichttechnologien im Aufbruch: Europas Photonik zwischen Innovation und Wettbewerb
Autor: Steve Bageritz
Die Photonik entwickelt sich zu einem zentralen Treiber für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Transformation. Als Schlüsseltechnologie ermöglicht sie Fortschritte in zahlreichen Branchen – von präziser Produktion über digitale Kommunikation bis hin zu medizinischen und umweltbezogenen Anwendungen. Gleichzeitig steht die europäische Photonikindustrie vor der Herausforderung, ihre Innovationskraft in einem dynamischen globalen Wettbewerbsumfeld weiter auszubauen. Vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Effizienz, Nachhaltigkeit und Resilienz wird deutlich, dass strategische Investitionen und eine enge Verzahnung von Forschung und Industrie weiterhin entscheidend sind.
Das europäische Marktvolumen liegt inzwischen im dreistelligen Milliardenbereich mit weiter steigender Tendenz. Initiativen wie Photonics21 und die Photonics Partnership im Rahmen von Horizon Europe bündeln gezielt Forschungsaktivitäten und beschleunigen den Transfer in industrielle Anwendungen. Im Fokus stehen dabei Zukunftsthemen wie intelligente Produktionssysteme, digitale Infrastrukturen sowie energieeffiziente Lösungen, die zugleich zur Umsetzung zentraler europäischer Ziele wie Klimaschutz und technologische Souveränität beitragen.
Starkes Ökosystem in Baden-Württemberg
Auch auf regionaler Ebene zeigt sich die strategische Relevanz der Photonik deutlich. Baden-Württemberg zählt zu den führenden Standorten Europas und verfügt über ein starkes Innovationsökosystem entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Initiativen wie Photonics BW mit rund 90 Mitgliedern fördern gezielt den Wissenstransfer und die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Integration angrenzender Schlüsseltechnologien im Kontext der Landesinitiative QuantumBW, die den Transfer in marktfähige Anwendungen unterstützt.
Die Innovationskraft des Standorts wird durch starke industrielle und wissenschaftliche Leuchttürme getragen. Unternehmen wie ZEISS treiben die Weiterentwicklung der Halbleiterindustrie voran, während Forschungseinrichtungen neue Verfahren in Lasertechnologie und Messtechnik entwickeln. Das „Photonic Valley Ostwürttemberg“ mit über 60 Unternehmen und rund 8.000 Beschäftigten steht exemplarisch für diese enge Verzahnung und unterstreicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region.
Photonikprojekte des Steinbeis Europa Zentrums weisen den Weg in die industrielle Anwendung
Die beiden EU-Projekte CLASCO und OPeraTIC, an denen das Steinbeis Europa Zentrum als Partner beteiligt ist, tragen maßgeblich zur Weiterentwicklung photonischer Technologien für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Industrie in Europa bei. Mit ihrem Fokus auf klimaneutrale Produktionsprozesse und digitalisierte Fertigungssysteme adressieren beide Projekte zentrale Herausforderungen der industriellen Transformation und liefern konkrete technologische Lösungen, die sich aktuell in der finalen Projektphase und damit im Übergang zur industriellen Anwendung befinden.
Das Projekt CLASCO hat wesentliche Fortschritte in der laserbasierten Oberflächenfunktionalisierung additiv gefertigter Bauteile erzielt. Durch die Kombination von Laserpolieren und mikrostrukturierenden Verfahren konnten neue Funktionalitäten für Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt sowie der Medizintechnik entwickelt werden. Demonstratoren zeigen beispielsweise erhebliche Gewichtseinsparungen von bis zu über 50 % sowie verbesserte Materialeigenschaften wie reduzierte Reibung oder optimierte Biokompatibilität. Ergänzend wurden digitale Überwachungs- und Qualitätssicherungsmethoden entwickelt, darunter KI-basierte Modelle, die eine Echtzeitbewertung von Oberflächenqualitäten mit einer Genauigkeit von rund 90 % ermöglichen.
Mehr erfahren: CLASCO project | CLASCO-project
Auch im Projekt OPeraTIC konnten wesentliche technologische Meilensteine erreicht werden. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung einer modularen, KI‑gestützten Fertigungsplattform für den Einsatz von Ultrakurzpulslasern in der industriellen Produktion. Hierzu wurden hochleistungsfähige Lasersysteme mit robotergestützten Bewegungsprozessen, Echtzeitmonitoring und datengetriebenen Steuerungssystemen kombiniert. Die Technologie wurde erfolgreich für die Strukturierung unterschiedlicher Materialien validiert und in vier Anwendungsfeldern demonstriert, in den Bereichen Haushaltsgeräte, Beleuchtung, Luftfahrt und Automobil. Die Demonstratoren in den Sektoren zeigen das große Potenzial von OPeraTIC für reale industrielle und energieeffiziente Anwendungen.
Die Prozessuntersuchungen in OperaTIC liefern vielversprechende Ergebnisse, darunter reibungsarme Oberflächen, verbesserte Benetzungskontrolle, optimierte Lackierbarkeit sowie neue Ansätze zur Licht-Homogenisierung und zum präzisen Schneiden. Bedeutende Fortschritte im Bereich der KI ermöglichen eine verbesserte Prozessvorhersage und -optimierung. Die Aktivitäten zu Nachhaltigkeit und Wirkung gehen ebenfalls voran, einschließlich Lebenszyklus- und Kostenanalysen, Untersuchungen zur Nutzungswahrnehmung sowie der Entwicklung einer Industrialisierungs-Roadmap.Mehr erfahren
- Use Cases - OPeraTIC
- Workshop „Smart Laser Processing in Action: Monitoring, Digitalisierung und Materialinnovationen“ unter: Training Materials - OPeraTIC
Von der Innovation zur industriellen Wertschöpfung
In beiden Projekten übernimmt das Steinbeis Europa Zentrum eine zentrale Rolle bei der Überführung der technologischen Ergebnisse in marktfähige Anwendungen. Der Fokus liegt insbesondere auf der Entwicklung von Verwertungsstrategien, der Strukturierung von Geschäftsmodellen sowie der Sicherstellung von geistigen Eigentumsrechten innerhalb der Konsortien.
Insbesondere in der Abschlussphase unterstützen wir die Projektpartner gezielt bei der Identifikation konkreter Marktpotenziale und Anwendungsfelder, um den Übergang von der Forschung in die industrielle Umsetzung zu beschleunigen. Dazu gehört auch die Entwicklung von Strategien für die kommerzielle Nutzung der Technologien, beispielsweise durch Lizenzierung oder die Integration in bestehende Produktionsprozesse.
Damit stellt das Steinbeis Europa Zentrum sicher, dass die in CLASCO und OPeraTIC erzielten technologischen Fortschritte nicht isoliert bleiben, sondern langfristig in industrielle Wertschöpfung überführt werden und einen messbaren Beitrag zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Photonikbranche leisten.
Langjährige Photonik‑Expertise mit europäischer Wirkung
Das Steinbeis Europa Zentrum verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Entwicklung und Umsetzung von Innovationsprojekten im Bereich Photonik und hat in zahlreichen EU-Projekten zur Stärkung der europäischen Innovationslandschaft beigetragen. Ziel war es dabei insbesondere, technologische Trends frühzeitig zu identifizieren, den Wissenstransfer zu fördern und die Nutzung photonischer Technologien in Wirtschaft und Gesellschaft zu beschleunigen.
In Projekten wie PhotonicRoadSME und RespiceSME wurden unter anderem Technologie-Roadmaps entwickelt, Zukunftspotenziale für kleine und mittlere Unternehmen analysiert sowie Austauschformate und Werkzeuge für Cluster und Innovationsakteure aufgebaut. Damit wurden wichtige Grundlagen für die strategische Weiterentwicklung der Photonik in Europa geschaffen.
Mit dem Projekt Photonic4All legte man den Schwerpunkt auf Sensibilisierung und Qualifizierung unterschiedlicher Zielgruppen. Hier wurden europaweit rund 500.000 Menschen über mehr als 200 Veranstaltungen erreicht und für das Thema Photonik begeistert – von jungen Talenten bis hin zu Unternehmen und Fachkräften. Ergänzend wurde im Projekt PHABLABS 4.0 die Integration von Photonik in offene Innovationsumgebungen wie FabLabs erfolgreich vorangetrieben, wodurch insbesondere junge Menschen praxisnah an Zukunftstechnologien herangeführt wurden.
Förderchancen für Photonik im Horizon‑Europe‑Programm
Im Rahmen des aktuellen Horizon-Europe-Arbeitsprogramms, insbesondere im Cluster 4: Digital, Industry and Space, bieten sich weiterhin vielfältige Fördermöglichkeiten für Projekte im Bereich Photonik. Die Europäische Kommission setzt dabei verstärkt auf integrierte Innovationsprojekte, die Forschung, Demonstration und industrielle Umsetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbinden und insbesondere die digitale und nachhaltige Transformation der Industrie adressieren.
Aktuell relevante Förderthemen im Kontext der Photonics Partnership umfassen unter anderem die Weiterentwicklung integrierter photonischer Systeme, energieeffizienter Fertigungstechnologien sowie datengetriebener Anwendungen. Konkret sind im Arbeitsprogramm 2026–2027 unter anderem folgende Aufrufe besonders relevant:
- Advanced integrated photonic devices for extended features and ultra-low power consumption (RIA)
Der Aufruf zur Entwicklung hochintegrierter photonischer Bauelemente öffnet am 17. November 2026 und endet am 18. März 2027. Fokus auf neue Generation integrierter photonischer Bauelemente mit höherer Funktionalität und deutlich reduziertem Energieverbrauch, insbesondere für Anwendungen in Kommunikation, Datenverarbeitung und Sensorik.
- Advanced manufacturing for key products (IA)
Ein weiterer Aufruf im Bereich photonikbasierter Fertigungstechnologien ist im Arbeitsprogramm 2026–2027 vorgesehen, die Veröffentlichung konkreter Ausschreibungs-daten steht derzeit noch aus.
- Large-scale photonic quantum computing platform technologies (RIA)
Für diesen Aufruf zur Entwicklung photonischer Plattformtechnologien im Bereich Quantencomputing ist die Veröffentlichung im Rahmen des Arbeitsprogramms 2026–2027 vorgesehen, finale Termine stehen noch aus.
Diese Aufrufe verdeutlichen die aktuelle Schwerpunktsetzung der EU: Neben technologischer Exzellenz rücken insbesondere die industrielle Skalierung, die Integration in bestehende Wertschöpfungsketten sowie die Stärkung der technologischen Souveränität Europas in den Mittelpunkt. Für Unternehmen, Forschungseinrichtungen sowie insbesondere KMU und Start-ups bieten sich damit attraktive Möglichkeiten, Innovationen nicht nur zu entwickeln, sondern gezielt in Richtung Markteinführung und industrielle Anwendung weiterzuführen.
Ihr Partner für erfolgreiche EU‑Projekte
Das Steinbeis Europa Zentrum unterstützt Organisationen entlang des gesamten Prozesses der europäischen Fördermittelakquise – von der Identifikation passender Programme bis hin zur erfolgreichen Antragstellung. Mit über 35 Jahren Erfahrung im EU-Projektgeschäft und als Nummer EINS für EU-Projekte – mit über 160 Projektteilnahmen in Horizon 2020 und Horizon Europe - begleiten wir unsere Partner durch die komplexen Anforderungen europäischer Förderprogramme und tragen dazu bei, die Erfolgschancen in kompetitiven Ausschreibungsverfahren deutlich zu erhöhen.
Unser Leistungsspektrum umfasst dabei nicht nur das Programmscreening, die Antragskonzeption und strategische Positionierung von Projekten, sondern auch die Entwicklung tragfähiger Konsortien sowie die Ausarbeitung überzeugender Impact- und Verwertungsstrategien.
Darüber hinaus bringt sich das Steinbeis Europa Zentrum aktiv als Projektpartner ein und übernimmt zentrale Rollen in Bereichen wie Projektmanagement, Innovations- und Technologietransfer, Kommunikation sowie Markt- und Verwertungsstrategien. Damit stellen wir sicher, dass geförderte Projekte nicht nur erfolgreich umgesetzt, sondern auch nachhaltig in wirtschaftliche und gesellschaftliche Wirkung überführt werden.
Veranstaltungstipp:
Am 28.10.2026 findet in O Porriño, Spanien die Abschlusskonferenz des EU-Projekts OPeraTIC statt, gemeinsam mit den Projekten METAMORPHA und FABulous.
Die Veranstaltung zeigt neueste Entwicklungen im Bereich der laserbasierten Präzisions- und Mikrofertigung für funktionale Oberflächen und bietet ein Forum zur Diskussion technischer Herausforderungen, der industriellen Relevanz und der künftigen Umsetzung der verschiedenen Ansätze und Technologien, die im Rahmen der Konsortien METAMORPHA, OPERATIC und FABULOUS entwickelt wurden.
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