InterviewDie Zukunft der Kreislaufwirtschaft erfinden: Ein Gespräch mit Alfred Edlinger von MITechnology

28. Juli 2025
Barbarahalle Bludenz, Alfred-Edlinger, Abstich des Hochtemperaturreaktors, welcher bei RecoDust, RecoPhos und FlashPhos eingesetzt wird

Die Fragen stellte Lena-Sophie Loew, Steinbeis Europa Zentrum, im Rahmen des EU-Projekts FlashPhos.

Wenn wir an Innovation in der Kreislaufwirtschaft denken, haben wir viele große Forschungsteams, Konzerne oder Hochschullabore vor Augen. Doch manchmal kommen die wichtigsten Ideen von den kleinsten Akteuren.

Ein Beispiel dafür ist MITechnology, ein Ein-Mann-Unternehmen mit Sitz in Österreich, gegründet und geführt von Alfred Edlinger. Der Chemiker, Erfinder und Prozessentwickler hat sich darauf spezialisiert, komplexe Abfallstoffe in wertvolle Ressourcen zu verwandeln. Seine Projekte drehen sich um Kreislaufwirtschaft, CO₂-Reduktion und thermochemisches Upcycling.

Edlinger ist kein Unbekannter, wenn es um bahnbrechende Ideen geht: Vom FlashPhos-Verfahren zur Phosphorrückgewinnung bis hin zur neuartigen Granulierung mineralischer Schmelzen entwickelt er Prozesse, die nachhaltige Anwendungen im industriellen Maßstab ermöglichen. Und obwohl MITechnology eine kleine Struktur hat, spielt es eine wichtige Rolle dabei, die EU auf dem Weg zu mehr Ressourcensouveränität und geringeren Emissionen zu unterstützen.

Wir haben mit Alfred Edlinger darüber gesprochen, was das Erfinden ausmacht, wie aus Ideen Patente und Produkte entstehen – und warum man keine großen Labore braucht, um weltweit etwas zu bewegen.

Teil 1: Denkweise eines Erfinders

Alfred, Du bist Erfinder. Was begeistert Dich am meisten in dieser Rolle?
Ich bin beim Europäischen Patentamt Espacenet mit 688 Patenten als Erfinder registriert. Mein Ziel ist es, zur Verbesserung der Welt beizutragen, indem ich organische und anorganische Abfälle in wertvolle Rohstoffe wie Zement, Wasserstoff und Phosphor umwandle – unter wirtschaftlich tragbaren Bedingungen, mit möglichst geringer CO₂-Emission und geringem Energieeinsatz.

Viele Deiner Prozesse drehen sich um Abfallverwertung und Kreislaufwirtschaft. Was treibt Dich dabei an?
Meine Motivation kommt aus einem tiefen Interesse für Chemie und Thermodynamik. Ich will dazulernen, forschen und damit gleichzeitig zum Umweltschutz beitragen.

Was unterscheidet für Dich eine Erfindung von einer Innovation?
Oft heißt es: Die Erfindung macht 5 %, die Innovation 95 % der Gesamtarbeit aus. Aber ohne Erfindung ist Innovation schwierig. Und umgekehrt entstehen auch während der Innovationsphase oft neue Erfindungen – wie im FlashPhos-Projekt.

Teil 2: Von der Idee zur Umsetzung

Was bringt Dich auf eine neue Idee? Beginnt alles mit einem Material, einer Herausforderung oder etwas ganz anderem?
Ich beobachte aktuelle ökologische und wirtschaftliche Probleme und vergleiche sie mit meinen fachlichen Kompetenzen in Chemie, Thermodynamik und Verfahrenstechnik. Daraus entstehen erste Konzepte.

Wie wird aus einer kreativen Idee eine praxisnahe Lösung?
Ich beginne mit theoretischen Überlegungen und Berechnungen. Anschließend arbeite ich in meinem kleinen Labor an der praktischen Überprüfung. Für die nächsten Schritte beantrage ich meist Fördermittel bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), zum Beispiel über den "PatentScheck" für die Patentanmeldung oder "InnoScheck" für wissenschaftliche Evaluierung in Kooperation mit Universitäten. Diese Grundlagen bilden die Basis für größere Projekte, etwa mit EU-Förderung. Auch Auszeichnungen wie der Wissenschaftspreis oder Staatspreise helfen bei der Sichtbarkeit.

Welche Rolle spielen Patente in Deiner Arbeit? Schützen sie Ideen, fördern sie Zusammenarbeit – oder beides?
Ganz klar beides. Mein Einkommen stammt hauptsächlich aus der Lizenzvergabe meiner Patente.

Du arbeitest eng mit Industriepartnern. Wie wichtig ist es für Erfinder, mit realen Problemen aus der Praxis verbunden zu bleiben?
Das ist für mich zentral. Meine Ideen sollen nicht im akademischen Raum verharren. Auch wenn ich kein starker Projektkoordinator bin, ist es mir wichtig, praxisnahe, umweltrelevante Projekte zu unterstützen.

Teil 3: Erfahrungen und Ausblick

Auf welche Erfindung bist du besonders stolz – und welches Problem löst sie?
Ein besonders spannendes aktuelles Projekt ist "ChemQuench", das organische Abfälle in Wasserstoff umwandelt – und sich bereits auf industrieller Ebene befindet. Auch das EU-Projekt FlashPhos ist bedeutend, da es zentrale Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft adressiert. Derzeit arbeite ich gemeinsam mit der Uni Stuttgart an "Loop2Phos", das ähnliche Ziele verfolgt wie FlashPhos, aber CO₂-negativ ist: Es nutzt den Kohlenstoff im Klärschlamm anstelle von fossilem Koks (Reduktionsmittel) und spart dadurch zusätzlich Energie.

MITechnology ist ein Ein-Mann-Unternehmen, trotzdem bist du an großen EU-Projekten beteiligt. Was ist der Vorteil dieser kleinen Struktur?
Ein hohes Maß an Flexibilität und Freiraum innerhalb von EU-Projekten. Das ermöglicht kreative Arbeit und führt oft zu neuen Patenten.

Welchen Rat gibst Du anderen Erfinder:innen oder kleinen Unternehmen, die in der Kreislaufwirtschaft etwas bewirken wollen?
Erfinden. Innovieren. Kooperieren!

Welche ungelösten Probleme in der Industrie würdest Du als nächstes gerne angehen?
Ich möchte neue ökologische und wirtschaftliche Lösungen für energieeffiziente und CO₂-freie Prozesse in Industrie und Kommunen entwickeln.

Fazit

Im Kampf gegen Emissionen, für geschlossene Stoffkreisläufe und nachhaltige Industrie braucht es neue Denkansätze. Alfred Edlinger zeigt: Innovation braucht nicht immer ein großes Budget – wohl aber Neugier, Ausdauer und ein tiefes Verständnis für reale Herausforderungen.

Die Projektpartner von FlashPhos sind stolz, mit Partnern wie MITechnology zusammenzuarbeiten, die mit Agilität und Kreativität neue Wege aufzeigen. Ihr Beitrag ist entscheidend, damit Technologien zur Abfallverwertung nicht nur wissenschaftlich, sondern auch industriell umsetzbar werden.

Erstveröffentlichung: Inventing the Circular Future: A Conversation with Alfred Edlinger from MITechnology - FlashPhos

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